Starker Wind, Schnee auf den Straßen, aber immerhin ganze zehn Grad wärmer als im letzten Jahr – es herrschten also ideale Bedingungen für einen sportlichen Jahresausklang. Ich hatte mir für diesen den 23. Silvesterlauf in Nordenham vorgenommen. Hier war ich bereits im letzten Jahr angetreten und fand die Bedingungen ideal. Abgesehen von den -8°C war die Strecke sehr schön (zumal ich sie nach meinem Umzug nur noch selten belaufe) und der Lauf an sich war gut organisiert. Darüber hinaus stehen bei Silvesterläufen ja immer Geselligkeit und Unterhaltung vor, nach und manchmal sogar während des Laufs im Vordergrund.
Ich fuhr also zunächst mit dem Fahrrad durch gut 3cm Neuschnee, um meine Startnummer abzuholen – 812, und damit die gleiche wie im Vorjahr – und fuhr dann wieder nach Hause um mich umzuziehen.
Gewohnt pünktlich erreichte ich die Startlinie um 11.13 Uhr und damit sogar noch zwei Minuten bevor der Startschuss fallen sollte. Ich glaube das Läuferfeld in diesem Jahr war doch etwas kleiner als im letzten, aber offizielle Zahlen habe ich noch nicht. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn einige lieber das warme Sofa vorgezogen hätten
Ich hatte mir für heute einen Trainingslauf vorgenommen. Obwohl meine 10Km Bestzeit aus dem Silvesterlauf im letzten Jahr stammt, habe ich mittlerweile eingesehen, dass Bestzeitenjagd bei Schnee und Eis nicht ganz so sinnvoll ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ich gerade erst aus dem Winterschlaf komme und deshalb sowieso noch nicht ganz in Form bin
– heute sollten es also 10Km in unter 50 Minuten werden. Mehr oder weniger entspannt und mit viel Spaß.
Nach dem Startschuss zog sich das Feld sehr ruhig auseinander. Es hatten sich offensichtlich viele dafür entschieden, der Vernunft den Vortritt zu lassen und das Rennen sehr locker zu beginnen, obwohl die ersten zwei Kilometer der Strecke vorbildlich vom Schnee befreit und gestreut waren. Ich reihte mich hinter einem Läufer ein, den ich noch aus dem letzten Jahr kannte (damals lief er die ganze Zeit hinter mir her und ließ sich ziehen) und stoppte die ersten beiden Kilometer jeweils in 4:49. Das war zwar eigentlich zu schnell, aber dafür, dass man Wettkämpfe immer zu schnell beginnt und wir starken Rückenwind hatten, war es ok.
Nun bogen die 5Km Läufer allerdings ab und ich durfte feststellen, dass man nur deren Strecke geräumt hatte. Ich selbst durfte mich nur durch eien Mischung von Schnee und Eis kämpfen und war bald einem kalten Seitenwind ausgesetzt. Nachdem ich gleich am Anfang fast lang auf der Straße gelegen hätte, nahm ich mir vor, von nun an etwas vorsichtiger zu laufen. Silvester und Neujahr im Krankenhaus und das Geschrei der ganzen Brandopfer anhören, musste ja nun auch nicht sein. Zumal ich ja schon im letzten Jahr die Feierlichkeiten im Bett verbracht hatte und durchaus der Meinung bin, dass es mal wieder an der Zeit wäre, das neue Jahr zu feiern.
So setzte ich also meinen Weg fort und versuchte dabei meinen Mitläufer immer zwischen mir und dem Wind zu halten. Zugegebenermaßen nicht ganz fair, aber unheimlich kraftsparend
Die guten Vorsätze waren allerdings vorbei, als wir eine 90° Kurve machten und von nun an genau gegen den Wind anliefen. An dieser Stelle versteckte ich meine Laufuhr unter der Kleidung und verabschiedete mich von jeglichen Zeitzielen, da das Laufen eine Qual wurde. Wir liefen nun nebeneinander, aber holten dabei zu meiner Verwunderung Läufer um Läufer ein. Diese bekamen jedoch dabei erstaunlicherweise immer neue Motivation und hängten sich an uns ran.
So sammelten wir bis Kilometer acht eine Gruppe von 7-8 Leuten ein und konnten jetzt wieder auf einen Streckenteil mit Rückenwind wechseln. Dummerweise hatte ich wohl offensichtlich die größten Kraftreserven und lief deshalb automatisch an der Spitze der Gruppe. Sozusagen in deren Windschatten. Ich mag Wind zwar eh nicht, aber von hinten wäre er doch ganz nett gewesen.
Vorsichtig packte ich meine Uhr mit meinen fast erfrorenen Fingern wieder aus und sah, dass ich nur 16 Sekunden hinter meinem 50 Minuten Plan zurücklag. Das reichte mir als Motivation die Gruppe weiterhin im 5er Tempo bis ins Ziel zuführen.
Naturgemäß erhöhte sich das Tempo je näher wir diesem kamen, da die Zielsprints langsam vorbereitet wurden. Ist natürlich kein Wunder, dass sich dieser Effekt in einer Gruppe noch erhöht, da jeder die anderen hinter sich lassen möchte. Ich entschied mich allerdings dafür, dass ich einen Lohn für die ganze Führungsarbeit verdient hatte und setzte mich deshalb im Zielsprint durch.
Hinter der Linie wurde noch kurz abgeklatscht und wir waren uns einig, dass wir noch nie einen Wettkampf bei so schlechten Bedingungen gelaufen waren (und ich war immerhin schon bei Platzregen unterwegs
) und wir nicht gedacht hätten, dass es noch schlimmer werden könnte als im letzten Jahr.
Ich machte mich wegen der Kälte allerdings schnell auf den Rückweg nach Hause zu meiner warmen Dusche, in die ich es jedoch ohne Hilfe nicht geschafft hätte. Ich durfte nämlich feststellen, dass Schuhe aufbinden, mit gefrorenen Finger eine fast unlösbare Aufgabe ist
In diesem Jahr gab es eien besonders schöne Medaille zur Erinnerung und ich bin mit meiner selbstgestoppten Zeit von 49:58min voll zufrieden. Es war zwar anstrengender als geplant, aber immerhin habe ich genau die Zielzeit erreicht.
Insgesamt muss ich sagen, dass mir die Tradition an Silvester den letzten Lauf des Jahres in einen Wettkampf zu verpacken immer besser gefällt, vor allem, wenn man diesen genießen möchte und nicht bitterernst angeht. Auch die Veranstaltung in Nordenham gefiel mir genauso gut, wie im letzten Jahr und es ist gut möglich, dass ich in 365 Tagen wieder hier am Start sein werde. Auch wenn bis dahin natürlich noch viel passieren kann – vor einem Jahr habe ich zum Beispiel noch nicht geahnt, dass ich heute nicht mehr in dieser Stadt leben würde.
Aber, und das ist das schöne im Leben: Es hält für dich immer Überraschungen bereit.
Bleibt nur zu hoffen, dass dabei die positiven überwiegen
In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Rutsch und einen guten Start ins neue Jahr. Ich melde mich in den nächsten Tagen nochmal mit meinem Jahresrückblick auf 2009 und den offiziellen Zahlen vom heutigen Wettkampf.